Mrz 8 2010

Wenn die Kommune Pleite geht…

Lese ich doch ständig in allen Medien etwas darüber, wie sich die Menschen ärgern, dass in Berlin schlechte Politik gemacht wird. Manchmal wird sich auch darüber beklagt, dass in den Landesparlamenten anscheinend nur weltfremde Entscheider an der Macht sind und überhaupt, dass ja Politiker wirklich doof sind. Was aber in den Kommunen, also Kreis- Stadt- und Gemeinderäten passiert, dass wird höchstens mal erwähnt, wenn, wie aktuell, überall die Haushalte beschlossen werden. Nein, nicht dass da dann alle Bürger dieser Kommunen darüber diskutieren, wie denn nun mit ihrem Geld umgegangen werden soll. Nur diejenigen, die von Streichungen, Kürzungen oder Gebühren- bzw. Steuererhöhungen betroffen sind, regen sich auf und schimpfen auf die Ratsleute, die diese Entscheidungen treffen müssen.

Ich habe jetzt 3 Monate intensive Haushaltsdebatten in unserer kleinen Gemeinde hinter mir und das war wirklich kein Spaziergang.  Dieses Jahr habe ich das Gefühl, mir jeden Cent Sitzungsgeld wirklich noch mehr verdient zu haben als sonst. Warum das so war, will ich hier einmal beschreiben. Vielleicht erreiche ich damit nur diejenigen, die sowieso wissen, wie es in diesen Regionalparlamenten abläuft, vielleicht aber ja auch einige, denen bisher gar nicht bewusst war, wo über welche Themen entschieden wird und wie wichtig es ist Kommunalwahlen ernst zu nehmen und sich an der Politik vor der eigenen Haustür zu beteiligen.

Im Dezember letzten Jahres hat unsere Verwaltung uns den Haushaltsplan Entwurf für 2010 vorgelegt. Zum allgemeinen Entsetzen wies dieser Entwurf ein Haushaltsloch in Höhe von 1,6 Mio € auf und die Kommunalaufsicht (übergeordnetes Kontrollorgan auf Kreisebene, das die Haushalte der Gemeinden absegnen muss) hat schon angekündigt, dass wir ein Haushaltssicherungskonzept erarbeiten müssen, das bis 2013 einen ausgeglichenen Haushalt aufweist. Das bedeutet also, jeden einzelnen Haushaltsposten dahingehend zu prüfen, ob er wirklich nötig ist und ob da Einsparungen möglich sind. Da der allergrößte Teil des zur Verfügung stehenden Geldes für Pflichtausgaben verwendet wird, bleibt an Einsparmöglichkeiten nur der Bereich “Freiwillige Ausgaben”. Diese freiwilligen Ausgaben sind aber genau die Ausgaben, durch die eine Gemeinde das Maas an Lebensqualität bietet, das neue Einwohner und damit neue “Steuerzahler” für sich gewinnt. Auch fallen hier die Ausgaben darunter, die viele Bürger als verpflichtend betrachten, wie zum Beispiel die Kosten der Feuerwehr. So mussten wir die Neuanschaffung eines Feuerwehrautos aus dem Haushalt streichen, das mit 230.000€ einen sehr großen Posten darstellt und von der Kommunalaufsicht mit “zu prüfen” gekennzeichnet wurde. Damit hatten wir also schon einmal die gesamten Feuerwehrleute unserer Gemeinde verärgert und das war nur der Anfang. Als nächstes ging es um unsere Schulen. Da ich selber Schulausschussvorsitzende bin, graute es mir vor dieser Sitzung am allermeisten. Als Sozialdemokratin stehen für mich die Themen Schule und Kinderbetreuung selbstverständlich ganz oben auf der Agenda und wir sind natürlich mit der Ansage in die Haushaltsverhandlungen gestartet: “Schulen und KiTas bleiben für die Sparmaßnahmen tabu!” Es galt also in dieser Schulausschusssitzung einen Mensabau für die Grundschule zu retten, ebenso stand unsere hart erkämpfte Sozialpädagogin als “zu prüfen” in dem Sparpapier, durch das wir uns zu quälen hatten. Beides ist tatsächlich nicht dem hässlichen “Streichkonzert” zum Opfer gefallen, wir mussten aber einen Turnhallen Fußboden verschieben und einige kleinere Posten dafür streichen. Hier ging´s also noch einigermaßen glimpflich ab, dachten wir, es kam aber noch knüppeldicke. Es mussten 10% an Personalkosten eingespart werden, ein Punkt gegen den sich die SPD Fraktion gewehrt hat, da diese Einsparung auch für unser Kindergarten Personal gelten sollte und wir das schlimmste befürchtet haben (was auch tatsächlich eintraf) nämlich die Schließung eines unserer Kindergärten. Die alles überschattende Kommunalaufsicht, hat uns die Tatsache, dass wir in unserer Gemeinde eine hervorragende Infrastruktur im Kinderbetreuungsbereich haben, um die Ohren gehauen. Wir sollten also prüfen, wie wirtschaftlich unsere KiTas sind und entsprechend handeln. Auch wurden die Planungs- und Baukosten einer neuen Krippe, die dringend nötig ist, gestrichen. Unsere Vereine wurden ebenso in die Streichliste aufgenommen, wie unsere Ortschaften (wir sind eine Gemeinde mit 11 Orten), die Dorfgemeinschaftshäuser, Dorferneuerungsmaßnahmen und Straßenbauvorhaben die seit Jahren geplant waren und besonders nach diesem Winter, gar nicht mehr verschiebbar sind. Doch all diese “Opfer” haben nicht ausgereicht, um dieses Riesen Haushaltsloch zu schließen. Daher wurde dann die Einnahmeseite durchleuchtet. Autsch… Gebühren für die Bücherei, das ging noch in Ordnung, nachdem uns die Mitarbeiterinnen unserer Gemeindebücherei bestätigt haben, dass die Leser damit einverstanden sind. Die Steuern zu erhöhen, da war es dann vorbei mit dem “in Ordnung gehen”. Auch hier hatte uns die Kommunalaufsicht Vorgaben gemacht, die wir zu erfüllen hatten, da sonst unser Haushalt trotz aller “Opfergaben” abgelehnt würde. Da geht´s jetzt also richtig ins Eingemachte, denn Grund- und Gewerbesteuern erhöhen, tut richtig weh und hier gilt auch nicht mehr, was mein Sohn mal meinte, als er Politiker beschreiben wollte: “Politiker sind die, die Steuer erfinden, die sie selber nicht zahlen müssen”. Landwirte, Gewerbetreibende und vor allem Grundstücksbesitzer, haben wir in unserem Gemeinderat einige sitzen. Doch nicht nur mit der Steuererhöhung haben wir unseren eigenen Geldbeutel belastet, um Solidarität mit denen zu demonstrieren, die von unseren Entscheidungen betroffen waren, haben wir auch beschlossen, auf 10% unserer Sitzungsgelder zu verzichten. Tja, das wurde nur irgendwie überhört, denn in den regionalen Medien taucht dieser Punkt gar nicht auf ;-)

Was hat uns aber nun überhaupt in diese Situation gebracht? Waren wir doch in den letzten Jahren immer die Gemeinde mit der kleinsten Pro-Kopf-Verschuldung im gesamten Kreisgebiet. Nun, da ist natürlich zum einen die Wirtschaftskrise, die auch vor unserer kleinen, ländlichen Gemeinde nicht halt macht. Die Steuereinnahmen sind mit dem “zu versteuernden Einkommen” unserer Einwohner gesunken. Einige Entscheidungen die in Berlin und in Hannover getroffen wurden, haben einen erheblichen Anteil an Mindereinnahmen und Mehrausgaben in der Gemeindekasse und, als würde es nicht genügen, dass Bund und Land die Kommunen finanziell ausbluten lassen, hat auch der Kreis Zuschüsse gestrichen und die Abgaben erhöht. All diese Faktoren haben dazu geführt, dass eine Gemeinde, die kaum Schulden hatte plötzlich dasteht, als sei sie pleite. Ich kann es mir nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass wir hier in unserer Gemeinde ein Mehrheitsverhältnis von 19 CDU, 4 SPD, 3 Grüne, 1 FDP und 2Unabhängige Ratsleuten haben. Auf Kreisebene verhält es sich ähnlich, das Land Niedersachsen hat derzeit die gleiche Regierungskoalition wie unsere Republik, also CDU/FDP. Doch bei wem beschweren sich die Bürger über all die Streichungen, Kürzungen, Abgaben Erhöhungen? Natürlich bei uns, den SPD Ratsleuten. Da frage ich mich doch, wer hat denn diese Mehrheitsverhältnisse so gewählt?

Wie oben bereits erwähnt, vielleicht lesen das jetzt wieder nur diejenigen, die sich sowieso mit Politik befassen bzw. deren Blickwinkel über das “Bildzeitungsleser Niveau” hinaus reicht. Vielleicht lesen dies aber auch diejenigen, die einer Bild Überschrift schon lange nicht mehr glauben und denen die Entscheidungen die in der Politik getroffen werden so gründlich gegen den Strich gehen, dass sie endlich selber etwas tun wollen. Wenn das so ist, dann fragt doch einfach mal in eurem Ort, eurer Stadt oder Gemeinde, nach, wer denn der richtige Ansprechpartner für euch ist. Überlegt vorher, welche politische Richtung euch am ehesten zusagt (keine Träumereien, die ideale Partei gibt es nur, wenn ihr sie dazu macht!) Hier in Scheeßel ist es so, dass wir auch Kandidaten für die Kommunalwahl (die nächste hier ist 2011) in unsere Liste aufnehmen, die nicht sofort in die SPD eintreten wollen. Es muss aber natürlich schon eine klare Positionierung zur Sozialdemokratie vorhanden sein ;-)

Der Fisch stinkt zwar am Kopf zuerst, vom Schwanz aus lässt er sich aber nun einmal am besten filetieren.


Dez 22 2009

Oh du…

Es ist mal wieder soweit…alles hetzt noch schnell in die Geschäfte, Weihnachtsgeschenke jagen. Auf den Straßen, an Bahnhöfen und Flughäfen wird gedrängelt und geflucht, weil alle noch schnell irgendwo dringend hin müssen. Die Postboten und Paketlieferdienste sind bis Anschlag gestresst und genervt. Die ersten Wohnungen sind auch schon, wegen nicht ausreichend bewachter Adventskränze, abgebrannt. Wie freuen wir uns doch, dass das alles nur die Vorbereitung auf das Fest der Feste ist, denn richtig toll wird´s ja dann am 24igsten. Familien die sich wohlweislich das ganze Jahr über aus dem Weg gegangen sind, sitzen  in froher Erwartung vereint um den Tannenbaum und “Feiern” Weihnachten. Beim fetten Essen, das sonst nie angerührt würde, ist meist alles noch recht friedlich. Mit der Bescherung kommt der Ball dann aber ins rollen…”oh wie lieb, schenkst du mir doch tatsächlich die tolle Schale die du letztes Jahr von mir bekommen hast zurück, danke” | “Prima, Socken und dann auch noch bunte” spricht der Grufty | “Schön was da deine Sekretärin für mich ausgesucht hat, ist der Duft den sie von Dir bekommen hat auch 4711?”… und so weiter und so fröhliche Weihnachtszeit. Nach dem öffnen der zweiten Weinflasche nimmt die Fröhlichkeit dann richtig Fahrt auf. Hatte man doch das ganze Jahr über keine Zeit für ein: “Was ich dir immer schon mal sagen wollte!” jetzt ist die Gelegenheit…

Ich für meinen Teil habe Heilig Abend am liebsten hinter dem Tresen verbracht, bis zu dem Jahr als ich Mutter wurde und mich in diese Fröhliche Weihnachterei einfügen musste. Schön war´s, alle möglichen Weihnachtsflüchtlinge saßen bei mir am Tresen und haben sich besinnlich getrunken. Meine Stammgäste haben mir lauter kleine Geschenke mit “Großfreueffekt” mitgebracht und egal, ob nun zu Discozeiten, im Irish Pup oder in den Jahren meiner eigenen Kneipe, es haben sich immer nur Leute an meinem Tresen gesammelt, die das ganze Jahr über gerne Zeit miteinander und mit mir verbracht haben. Keine Erwartungshaltung, keine “Muss Geschenke” und vor allem kein süßer Wein den keiner verträgt.

Euch wünsche ich genau die Feiertage die Ihr euch wünscht und vielleicht lesen wir uns ja über Weihnachten, weil Ihr Euch auch lieber bei den Leuten aufhaltet, mit denen Ihr das ganze Jahr gerne Zeit verbracht habt…falls ich dazu gehöre, treffen wir uns hier ;-)


Dez 10 2009

Multitasking oder Alles auf einmal und nichts richtig?

Gerade ist mir aufgefallen, dass ich in die “Multitaskingfalle” geraten bin…

Da war ich doch davon überzeugt, wenn erst einmal die Bundestagswahl gelaufen ist, habe ich auch gleich viel mehr Zeit für alles andere. Jede verschiebbare Aufgabe habe ich auf “nach dem 27igsten Sep.” verschoben im festen Glauben, dann mehr Zeit zu haben. Das Ergebnis… seit dem 28igsten Sep. mache ich alles auf einmal und scheinbar nichts so richtig. An meinen Blog Einträgen wird mir das bewusst, denn auf beiden Blogs steht in letzter Zeit nur wenig. Das wird sich ab sofort ändern, denn schließlich habe ich ja bei all den verschieden Sachen die ich so mache immer viel zum schreiben, da sollte ich mir auch die Zeit dafür nehmen, das zu tun ;o}

Wir lesen uns also…auch hier und nicht nur immer schnell mal bei Twitter.


Nov 26 2009

Alles neu, oder?

Ach ja, wir haben uns neu aufgestellt. Der Parteivorsitzende ist gewählt (oder doch irgendwie bestimmt?) Sigmar wird´s wohl richten. Na gut ich traue ihm das sogar zu. Die streitbare Andrea als General ist wahrscheinlich auch gar nicht so übel besetzt, was ist es also, dass uns trotzdem unter die 20% Marke rutschen lässt? Warum habe auch ich das Gefühl, das war es aber noch lange nicht? Diese ewig mitschwingende Unzufriedenheit mit dem was passiert muss ja einen Grund haben, oder vielleicht doch viele Gründe?

Allerorten wird von den Gliederungen zur Diskussion gerufen. Überall haben Sozis die Möglichkeit ihre Meinung zu sagen bzw. zu schreiben. Tatsächlich aber höre und lese ich nichts, höchstens mal den einen oder anderen der meint, man solle jetzt handeln und nicht mehr diskutieren. Nur was sollen das denn für Handlungen sein? Wenn doch keiner bereit ist darüber zu reden, was denn jetzt gemacht werden muss, dann bleibt doch alles wie es war. Eben unter anderer Führung, ob das aber schon alles ist?


Okt 4 2009

Liegt die Lösung wirklich links?

Gestern war der Tag der deutschen Einheit. 20 Jahre…Bis vor 20 Jahren waren wir Sozialdemokraten die, die sich am weitesten links bewegt haben. Bis vor 20 Jahren war der Schritt zum Sozialismus, zum Kommunismus und zur sozialistischen Gleichmacherei und Planwirtschaft durch eine Mauer mit Todesstreifen und Nachrichtensperren von uns getrennt. Mit dem Fall der Mauer ist auch die Grenze in den Köpfen gefallen, die Sozialismus und Kommunismus verdammt haben. In ganz Europa ist inzwischen immer wieder zu hören und in Wahlergebnissen zu sehen, dass der Zusammenbruch des Kommunismus bei den Menschen ein Umdenken ausgelöst hat. Der Kapitalismus hat überlebt und auch die größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit scheint daran nicht wirklich etwas zu ändern. Auf der Strecke bleiben dabei die, die immer daran geglaubt haben, dass Sozialismus funktioniert.
Das heute links neben der SPD eine Partei angesiedelt und inzwischen wohl auch weitgehend etabliert ist, liegt nicht daran, dass die SPD nicht weit genug links ist, sondern daran, dass mit dem Zusammenbruch von Kommunismus und DDR eine große Masse Menschen in unser System gekommen ist, für die Sozialismus eine Selbstverständlichkeit war. Menschen die in unserem System nicht klar kommen und die gar nicht verstehen wollen, warum wir das verteufeln was für sie doch 40 Jahre lang weit gehen gut war.
Mir scheint, unsere SPD Führungsriege muss endlich anfangen auch die anderen Blickwinkel einzunehmen, denn nur was man versteht kann man beantworten. Die wahlberechtigten Bürger dieser Republik sind eben seit 20 Jahren auch ehemalige DDR Bürger und für die ist soziale Demokratie eben nicht sozial genug.
Ich selber will nicht mit der Linkspartei konkurrieren müssen. Ich wünsche mir, dass wir uns als Sozialdemokraten das Vertrauen derer zurück gewinnen, die gar nicht mehr wählen gehen, weil sie sich durch gar keine Partei mehr vertreten sehen und das sind keine Linken.

Dieser Beitrag ist aus meinem Kommentar zu Nico Lumas Blog “Der überflüssige Tabubruch” entstanden


Sep 29 2009

Tja…und nu?

Natürlich war es der Supergau für die alte Tante SPD, was da am Sonntag um 18:03 Uhr auf den Bildschirmen aller Sender zu sehen war. Selbstverständlich muss nach dem schlechtesten Wahlergebnis der Nachkriegszeit gehandelt werden. Aber!!! Warum um alles in der Welt muss ich als Sozialdemokratin alle halbe Stunde, neue Meldungen mit alten Namen lesen. Seit Jahren steuert unser SPD Dampfer durch kappelige See. Hier in Niedersachsen hat es nach der bösen Schlappe im Januar 2008, ein in den Medien groß gefeiertes Hauen und Stechen um “plötzlich” vakant geglaubte Führungspositionen gegeben. Wirklich verändert hat sich allerdings nichts, es sind nur einige Leicht-verwundete am Wegessrand liegen geblieben. Manche Genossen schauen sich halt nur noch schräg an, weil sie sich im ersten Aktionismus nach der Wahl Dinge gesagt haben, die tief sitzen und Vertrauen unmöglich gemacht haben.

Heute, Tag 2 nach dem Fiasko, das doch seit langem absehbar war, passiert das Gleiche wieder. Wieder wird der Posten Pocker schnell und hart durchgezogen. Wieder werden Köpfe gefordert, aber nicht zum Führen sondern um zu rollen. Man will Blut sehen und die Genossen haben nichts besseres zu tun, als in wilder Hektik auf alle und jeden zu schimpfen, die als vermeintlich Schuldige auserkoren sind. Nichts mit Zeit nehmen, in Ruhe durch atmen und sich von dem Schock erholen. Kein wirkliches darüber Nachdenken wie ein Neuanfang aussehen muss um zu funktionieren. Nirgendwo die Frage an die Sozis im Basislager… Dabei ist es doch heute wirklich einfach, da mal nach zu fragen. Haben wir doch all die schönen neuen 2.0 Tools im Laufe des Wahlkampfes eingerichtet. Aber nein, natürlich wird davon auch jetzt kein Gebrauch gemacht, ist doch all das Social Media Zeugs im Wahlkampf nur für das Herausrufen von Botschaften genutzt worden, statt zum echten Dialog 2.0. Wenn es um Veränderung und Neustrukturierung innerhalb einer SPD geht, da bleibt man doch lieber unter sich, da stören diese ganzen Möchtegernmitsnaker im Internet ja auch nur.

In diesen neuen Bundestag ziehen viele fähige, junge Abgeordnete ein, die sich besonders in den letzten Monaten sehr viel mit ihren Genossen vor Ort auseinander setzen mussten. Die haben einige wertvolle Informationen mit nach Berlin genommen, was sich die Basis von der Bundespartei wünscht. Doch noch bevor alle in Berlin angekommen waren, war gestern das große Posten schieben und reißen schon in Gange.

Was soll denn das für ein Neuanfang werden, wenn die Neuen da gar nicht mit reden dürfen? Ich lese nur die Namen, die seit Jahren bei jedem Posten Poker auftauchen. Für einen Neuanfang müssen auch neue Köpfe nach vorne und das bedeutet nicht, dass die alten Köpfe mit brutaler Gewalt abgeschlagen werden, wir sind doch hier nicht im Mittelalter…oder? Nico Luma hat dazu auch sehr deutliche Worte gefunden: Neustart mit angezogener Handbremse lesenswert.


Sep 16 2009

Wie geht das, so eine riesen Krise zu bauen?

Nun gehöre ich ja zu den Menschen, die sich lieber mit Lösungen als mit Problemen befassen, das  Thema “Weltwirtschaftskrise” gehört aber nun einmal zu den Bereichen, bei denen es nötig ist die Ursachen zu verstehen um Lösungen zu finden. Also wühle ich seit einem Jahr durch die Geschichte, um heraus zu finden, wie das überhaupt passieren konnte…die größte Wirtschaftskrise seit bestehen der Bundesrepublik, das ist meiner Meinung nach keine Krise die einfach so kommt und mit genug Sitzfleisch und Geduld überwunden werden kann (und darf)

Nach 12 Monaten Ursachenforschung, habe ich inzwischen ein sehr deutliches Bild gewonnen, welche der Ursachen heute wie verändert werden müssen, um zum Einen die aktuelle Krise zu überwinden und zum Anderen, was fast noch wichtiger ist, so eine Krise auf Dauer zu verhindern.

Dieses deutliche Bild vor Augen, habe ich kürzlich einen Clip im Netz entdeckt, der das was ich selber herausgefunden habe besser erklärt, als ich es könnte. Das dieser Clip nun ausgerechnet von der Partei produziert wurde, der ich selber angehöre, zeigt mir nur, dass ich in der für mich richtigen Partei bin. Er sollte aber auch von Menschen, die weder mit der SPD noch überhaupt mit Politik etwas am Hut haben gesehen werden…nein nicht weil ich hier Wahlkampf mache, sondern weil dort ein Thema, dass jeder begreifen sollte einfach und verständlich erklärt wird.


Sep 7 2009

Für was steht nochmal das “Social” in Social Media Marketing?

Nun bin ich ja schon seit einigen Jahren als freie Marketing Beraterin in der großen Welt der Märkte unterwegs. Neue Wege erkunden auf denen potenzielle Kunden erreicht werden, immer überall Augen und Ohren offen für Strömungen und Trends. Was haben wir nicht alles schon für tolle Möglichkeiten erlebt, den Menschen unsere frohe Botschaft: “Hier kommt das Produkt ohne das du nicht mehr weiterleben möchtest!” zu verbreiten. Waren wir vor einigen Jahren noch auf Zeitungsanzeigen, Flyer oder wenn´s ein bisschen mehr kosten durfte auch Radio und Fernsehspotts beschränkt, hat die Möglichkeit für “kost fast nichts” zu telefonieren, den direkten Kontakt zum potenziellen Käufer möglich gemacht. Was der Versicherungsvertreter schon immer praktiziert hat, nämlich die direkte Ansprache, wurde damit auch für andere Anbieter interessant. Zu Anfang hat ja auch alles gut funktioniert. Die Angerufenen hörten interessiert zu, Termine wurden vereinbart und aus Interessierten wurden Kunden. Oft fühlten die Leute sich sogar ein wenig geschmeichelt, dass sie so höflich angesprochen wurden. Doch dann entstanden Call Center, es wurden Adressen zusammen gekauft aus allen möglichen Gewinnspielen und anderen Quellen, diese wurden stumpf abtelefoniert. Egal ob jemand sich für das per Telefon beworbene Produkt in irgendeiner Weise interessierte oder nicht, gnadenlos, rücksichtslos, penetrant klingelt seit dem jedes Telefon in unserem schönen Land X Mal am Tage und irgendein (meist nicht einmal der deutschen Sprache wirklich mächtiger) Anrufer, will sein ach wie unglaublich tolles Angebot loswerden. Das Ergebnis… ruft heute noch ein Anbieter seine Kunden an, um ihnen eine Veränderung oder etwas Neues mitzuteilen, läuft er Gefahr, das er von der anderen Seite der Leitung angeblafft wird, was ihm einfallen würde überhaupt diese Telefonnummer zu wählen. Schöne Möglichkeit zur Kundenkommunikation kaputt.

Dann haben wir die interessanten Möglichkeiten des Internets entdeckt. E Mail Marketing, wie toll. Schreiben wir doch mal alle diejenigen an, die eine E Mail Adresse haben und machen auf unser tolles Produkt aufmerksam. Bei den Mails hat der Angeschriebene ja schließlich die Möglichkeit, das Angebot einfach zu löschen wenn´s ihn nicht interessiert. Der Responds wird uns schon zeigen, ob unter den E Mail Adressen die wir so haben auch unsere Zielgruppe vertreten ist. Aber auch hier waren schnell tolle neue Helferlein im Einsatz, große Datenbanken, mit unendlich vielen E Mail Adressen konnten mit tollen Automationstools gefüttert werden, so dass innerhalb kürzester Zeit jedes virtuelle Postfach vor lauter Werbemails geplatzt ist und kein Mensch sich mehr die Zeit nehmen konnte, zu sortieren: Was ist eine echte Information für mich und was ist einfach nur Spam? Wieder ein schönes Instrument zur Kommunikation mit der Zielgruppe kaputt.

Heute bewegen wir uns also im Web2.0 auch das Social Web genannt, aber wofür steht da denn nun das Social? Es steht für Soziale Kontakte, Soziale Kommunikation, Zwischenmenschlichkeit! Im web2.0 wird miteinander kommuniziert. Ob nun ein Single hier seine Zukünftige findet oder der einsame Stubenhocker bei virtuellen Partys den Tiger gibt, jeder kann mit jedem in Kontakt kommen. Natürlich ist das auch eine tolle neue Möglichkeit mit potenziellen Kunden in Kontakt zu kommen, ebenso ist es im 2.o sehr viel einfacher, mit seinen Kunden zu kommunizieren. Kunde kann, wenn er seinem Anbieter etwas mitteilen möchte auf direktem Wege Kontakt aufnehmen und Anbieter hat hier die Chance, aus einer Reklamation eine Reklameaktion zu machen, in dem er auf die Kritik seines Kunden wirklich eingeht. Bewegt sich der Anbieter aufmerksam im Web2.0 findet er seine Zielgruppe und kann sich mit ihr vernetzen. Mit etwas Geduld und Aufmerksamkeit entsteht also eine Gruppe von Kontakten, die sich sogar freut, wenn der Anbieter Informationen über sein Angebot versendet. Ob jetzt eine Fanseite bei Facebook oder eine spezielle Interessen Gruppe bei Xing, hier sammeln sich diejenigen, die sich für ein bestimmtes Thema wirklich interessieren. Hier kann Anbieter aber auch nach lesen, ob´s womöglich Kritik am Produkt gibt, ob vielleicht Änderungen am Produkt gewünscht sind und er findet hier auch Anregungen/Ideen was als Ergänzung zu dem bestehenden Produkt vorgeschlagen wird. Es ist also im Social Web nicht mehr nötig, aus dicken Rohren auf´s Volk zu ballern. Dafür muss allerdings geduldig vorgearbeitet werden, denn die Zielgruppe will entdeckt werden. Vertrauen will gewonnen werden und oft genug muss auch das Interesse erst einmal geweckt werden, für ein Produkt das bisher vielleicht noch gar niemand kannte. Das kann dauern, das geht nicht automatisch und auch die tollsten Helferlein, die jetzt natürlich wieder wie Pilze aus der Platine wuchern, können einem nicht diese wichtigen Schritte der Vertrauensbildung abnehmen. Ich borge mir mal den Leitspruch der Xing Ambassador Gruppen: Persönliches zählt, Geschäftliches ergibt sich! Genau das ist Social Media Marketing.

Interessiere dich für deinen Kunden, dann wird er sich auch für dein Produkt interessieren! Umgekehrt wird es sonst nur wieder das gleiche Elend das wir Marketing Leute die letzten Jahre mit all den schönen neuen Marketing Werkzeugen erleben mussten… Keiner will´s mehr hören, lesen oder sehen, weil alle satt sind von Informationen die sie nicht wollten oder brauchen. Hierzu auch ein Beitrag mit dem Titel “warum ich nicht mehr twittere” in dem Gitte Härter sehr treffend beschreibt, was viele im Social Web falsch machen.

Schau mal im Cluetrain Manifest nach, hier sind einige wichtige Punkte zum Social Web sehr gut beschrieben.


Sep 2 2009

Du bist am Drücker “Geh wählen”

Aber informiere dich vorher genau!

Jeder hat die Möglichkeit in seinem Wahlkreis auf den jeweiligen Kandidaten vor Ort zu zu gehen um mit ihm/ihr ins Gespräch zu kommen. Ob Merkel oder Steinmeier, sollte nicht die Wahlentscheidende Frage sein, sondern wer denn meine Interessen vor Ort vertritt.
So schwierig ist das doch gar nicht. In den nächsten 26 Tagen werdet Ihr sicherlich auch vor Eurer Haustüre Bundestagskandidaten treffen können. Mir ist doch wichtig, dass mein Bundestagsabgeordneter hier vor Ort, meine Interessen in Berlin vertritt. Weder Merkel noch Steinmeier sitzen da oben in einem Elfenbeinturm einsam an den Hebeln der Macht, wenn ich also meinem Abgeordneten zutrauen, meine Interessen zu vertreten, dann wähle ich den.
Gerade der vergangene Wahlsonntag hat doch gezeigt, dass alles Parteiendenken nichts bringt, denn am Ende gewinnen eh immer die, die man nicht gewählt hätte, wäre man zur Wahl gegangen. Bin ich aber mit meinem Abgeordneten vor Ort im Gespräch und unterstütze ihn darin, dass er von den Menschen meiner Nachbarschaft mit vielen Erststimmen per Direktmandat in das jeweilige Amt kommt, gebe ich ihm damit den nötigen Rückhalt damit er sich mit kräftiger Stimme in seiner Fraktion durchsetzen kann.
Ich persönlich habe das große Glück hier einen Bundestagskandidaten zu haben, der mit seinen 31 Jahren noch wirklich weit kommen wird. Er gewinnt erst einmal die Menschen, das mit der Wahl ergibt sich also in Folge dessen. http://www.lars-klingbeil.de/start/

“Geh wählen” nicht nur ein Slogan sondern der klare Auftrag an jeden dem seine eigenen Interessen wichtig sind!


Aug 19 2009

WOW…Wirkung von Sozial Media echt einfach erklärt